04.09. Georgetown - Glenwood Springs
 

Am Morgen waren wir wieder recht zeitig wach. Geduscht, gefrühstückt, Auto gepackt und schon waren wir pünktlich 7 Uhr unterwegs. Zuerst fuhren wir noch einmal in den „Stadtkern“ von Georgetown. Hatte es gestern noch geregnet, hofften wir diesmal auf bessere Bilder. Leider war es noch so schattig in dem Tal, dass es für schöne Bilder schlichtweg zu dunkel war, aber wie oft kommen wir hier wieder her? - daher haben wir auf gut Glück ein paar Bilder geschossen:

Langsam kam die Sonne hinter den Bergen hervor und bei strahlendem Sonnenschein fuhren wir auf dem I-70 gen Westen. Diesen Morgen ließ mich Danilo das erste Mal hinters Steuer :dance: und was soll ich sagen, solch ein großes Auto zu fahren macht einfach Spaß.

Wie auch schon auf unseren vergangenen Reisen wollten wir, wo es möglich war, Interstates vermeiden und lieber auf kleinere, meist landschaftlich reizvollere Straßen ausweichen. Immerhin sahen wir hier am Interstate ein Deer, welches das erste und letzte an diesem Tag bleiben würde. Wenig später verließen wir den I-70, um auf dem HW-6 über den Loveland Pass weiter nach Dillon zu fahren. Einige Serpentinen sind hier zu bewältigen, bevor man auf dem Pass ankommt. Und man (Frau) sollte aufpassen, dass sie nicht einfach am Pass vorbeifährt. Nein, ich hab es noch geschafft anzuhalten - stimmts, Danilo? :pfeifen:

Lange jedoch hielten wir uns nicht im Freien auf, da es bei einer frischen Prise, verdammt kalt war. Die anschließende Fahrt Richtung Keystone hat uns landschaftlich sehr gut gefallen. Wir hatten dabei auch genug Zeit uns abseits der Strasse umzusehen, da vor uns ein Truck recht langsam unterwegs war. Keystone selbst erlebt wohl seine Blütezeit nur zur Skisaison. Jetzt war dort nichts los, außer einigen Vorbereitungen für die Saison – Seilbahnarbeiten etc. Daher ging es direkt weiter Richtung Dillon. Wir wollten die Dam Rd. nehmen, um bei dem schönen Wetter noch etwas den Blick auf das Dillon Reservoir genießen, doch diese war geschlossen (Wieso stehen die Schilder immer erst kurz davor? U-Turn ... ), also ging es doch schneller als gedacht wieder auf den I-70.

Als Tagesziel stand Glenwood Springs auf dem Plan, welches nur 90 Meilen von Dillon entfernt war. Es war kurz vor Mittag, somit hatten wir noch sehr viel Zeit zur Verfügung. Kurzerhand entschlossen wir uns heute schon über den Independence Pass zu fahren, der eigentlich erst fürs Urlaubsende eingeplant war. Wir verließen den I-70 wieder, um auf der State Highway 91 Richtung Leadville zu fahren. Die Strecke selbst ist nichts Besonderes. Es war einfach nur schön und wir spürten einmal mehr, dass wir endlich Urlaub hatten.

Es dauerte nicht lange bis wir in Leadville ankamen. Der Ort liegt sehr idyllisch vor der Kulisse der Rocky Mountains und zumindest an diesem Morgen wirkte alles friedlich. Wir waren die einzigen Touristen, die man als solche ausmachen konnte, der Rest waren Einheimische. Leadville wurde Mitte des 19 Jahrhunderts als Bergbaustadt gegründet, als in den nahe gelegenen Bergen Silber gefunden wurde. Es war ruhig auf den Straßen und so entschieden wir uns, dass Auto abzustellen und ein wenig an der Hauptstraße spazieren zu gehen. Die alten Häuser waren alle in gutem Zustand und so verbrachten wir einige Zeit beim Fotografieren und in den Läden stöbern.

Danach ging es weiter Richtung Balltown, wo wir auf den State Highway 82 abbogen. Linkerhand gab es immer wieder Abfahrten zu den Twin Lakes, die wir für den ein oder anderen Stopp nutzten. Eine größere Pause verbrachten wir im Örtchen Twin Lakes. Dort war ein kleiner Trail ausgewiesen, welcher uns die Gelegenheit gab, uns ein wenig die Füße zu vertreten. Hier begegneten wir auch zum ersten Mal einem interessanten Insekt, dessen Artgenossen uns in den nächsten Wochen fast täglich begleiten sollten. Im Flug sah es aus wie ein Schmetterling, wenn es saß wie eine Heuschrecke und dabei machte es im Flug ein lautes knatterndes Geräusch. Kurzerhand taufte Danilo die Tierchen – Schmetterschrecke.

Langsam zogen wieder Wolken auf und wir beeilten uns auf den Pass zu kommen. Oben angekommen, mussten wir zwar ab und zu auf Sonnenschein warten, alles in allem hatten wir aber tolles Wetter.
Wir aßen im Schutz unseres Autos (kalt war es nämlich hier oben *bibber*), bevor wir weiterfuhren.

Direkt hinter dem Pass sollte die Ghosttown Independance liegen, so stand es zumindest in unserem Reiseführer. Wir fanden nirgendwo ein Hinweisschild und eher zufällig hielten wir an einem Parkplatz an, da dort die Aussicht recht schön war. Erst beim Aussteigen bemerkten wir die Ghosttown im Tal. So liefen wir zwischen den z.T. stark verfallenen Häusern herum und studierten dabei im Trailguide für was welches Haus früher genutzt wurde. Es waren nur wenige andere Personen unterwegs, so dass wir alles in Ruhe genießen konnten, bevor es weiter ging.

Ich war schon sehr gespannt, sollte doch der nächste Ort Aspen sein. Gehört hat sicherlich jeder schon von Aspen, aber was soll ich sagen, mich hat er eher enttäuscht. Hotel an Hotel, neben Appartmentkomplexen etc. Zwar alles in schönem Baustil, aber nichts, was man unbedingt gesehen haben muss. Allerdings kann ich mir durchaus denken, dass der eine oder andere Star die Ruhe hier genießt, schließlich ist weit und breit NICHTS. Allerdings reichte der erste Kreisverkehr, den ich jemals in den USA gefunden habe, um meinen Blutdruck zu steigern. Er war zweispurig und ich wollte Links-Abbiegen. Dummerweise landete ich auf der äußeren Spur und die Einheimischen fanden es nicht so toll, dass ich nach der ersten Abfahrt im Kreisverkehr weiterfahren wollte. Naja, es wurde kräftig gehupt, aber ich bin trotzdem weitergefahren :wink: Ziel war der Maroon Lake. Jedoch stellte sich schnell raus, dass man da nur mit einem Shuttlebus hin kam. Also alle Aufregung am Kreisverkehr umsonst und nicht nur das, ich mußte da noch mal durch, aber diesmal kam zum Glück kein anderes Auto. *Puh*

Somit erreichten wir doch schneller als gedacht Glenwood Springs. Als erstes steuerten wir den Friedhof an – sollte man dort doch das Grab von Doc Holliday finden. Um zum Friedhof zu gelangen mussten wir ein ganzes Stück bergauf laufen und oben angekommen, brauchte ich erstmal kurz eine Pause. Natürlich hatten wir kein Wasser mitgenommen, dachten wir doch der Friedhof wäre einfacher zu erreichen.
Neben dem Grab von Doc Holliday sind viele weitere Gräber aus dieser Zeit, deren Erkundung ich persönlich interessanter fand.
Wenig später stiefelten wir wieder bergab und ab hier überließ ich Danilo das Steuer. Mich hatte der kurze Trail in der prallen Sonne einfach geschafft.

Nach etwas Suchen entschieden wir uns für das „Silver Spruce Motel“, danach noch kurz zum Safeway, um unsere Vorräte aufzufrischen und zum Tanken, damit wir am nächsten Morgen gleich aufbrechen konnten. Zum Abendessen hatten wir uns im Reiseführer ein bestimmtes Restaurant rausgesucht. Wir suchten und suchten, aber wir fanden nichts. Das Restaurant hatte vor einiger Zeit geschlossen. Somit ging es zur zweiten Wahl, dem Fiesta Guadalajara, ein mexikanisches Restaurant. Die konnten so gut englisch wie wir, aber das Essen war wirklich gut. :essen:

Mit vollen Bäuchen ging es wieder zurück ins Motel, wo wir noch ein wenig durchs US-Fernsehen zappten. Am nächsten Tag standen das Dinosaur N.M. und der „Fantasy Canyon“ auf dem Plan und darauf war ich schon sehr gespannt...