01.10. Taumarunui - Stratford
 

Heute sollte das Abenteuer Wohnmobil so richtig beginnen, denn ab jetzt wollten wir die großen Straßen verlassen und uns in die Natur begeben.
Heute stand die erste Bewährungsprobe für unser kleines Wohnmobil auf dem Plan. Der "Forgotten World Highway", im "Rough Guide to New Zealand" als "Lost World Highway" beschrieben. Da hat wohl jemand zuviel Jurassic Park geschaut?
Jedenfalls machten wir uns früh auf die Socken. Das Wetter war heute nicht so richtig zu definieren. Es war bewölkt, aber zumindest war es trocken. So hofften wir das Beste …

Wir fuhren voller Vorfreude, da wir schon einiges über den Highway gelesen hatten, in Taumarunui auf die SH43 in Richtung Stratford. Sobald wir aus dem Ort raus waren, waren wir mal wieder die einzigen auf der Strecke. Klasse. So konnte es weiter gehen. Der erste Teil der Strecke war gut geteert und führte durch eine schöne Hügellandschaft. Die Einsamkeit und die Weite dieser Landschaft ist ein Heilmittel für jede gestresste Seele, so dass man sich einfach nur wohl fühlt.
Den ersten Abstecher wollten wir zu den "Ohura Falls" unternehmen, die am Ende einer 18km langen Gravel Road liegen. Nach ca. einem Kilometer brachen wir allerdings dieses Unterfangen ab, da die Straße immer schlechter wurde und die Steine immer größer und spitzer. Und das 18 km lang wegen so einem Wasserfall? Auch wenn Anja die Entscheidung etwas schwerer fiel, drehten wir an der nächsten Einfahrt um und fuhren wieder zurück auf die SH43.

Interessanter wurde der "Forgotten World Highway" ab der Einfahrt zur "Tangarakau Gorge". Während die Straße dem Verlauf der Schlucht folgt, ist sie unpaved. Zu unserem Glück war sie aber in hervorragendem Zustand, weder große noch kleine Steine. In der Schlucht war im Gegensatz zu der Hügellandschaft davor, wieder der typische Urwald zu finden, was die Fahrt auf dieser nicht geteerten Strasse zu einem besonderen Erlebnis machte.
Einen Stopp legten wir am Grab von "Joshua Morgan" ein, einem frühen Entdecker dieser Gegend. Wir hielten weniger wegen dem Grab, als dass wir einfach etwas Bewegung bekamen. Auf dem Pfad zum Grab überquert man einen kleinen Bachlauf, der inmitten des Waldes zur Vollständigkeit dieser Idylle beiträgt. Jedoch fing es dort auch an etwas zu nieseln, hörte aber zum Glück bald wieder auf.
Da hier gerade eine "One Lane Bridge" war, beschlossen wir, einfach mal unseren Camper zu filmen, wie er drüber fährt. Ich ging erstmal über die Brücke zurück um nachzuschauen, ob auf der anderen Seite überhaupt Platz zum Wenden ist. Ein 6,50m Camper ist ja nicht gerade klein. Auf der anderen Seite betrachtete ich den Platz als ausreichend und holte den Camper, wo ich dann "Wenden in 12 Zügen" vollzog. Zum Glück kam niemand. Das Filmen klappte gut und wir fuhren weiter. Das nächste Mal hielten wir am "Moki Tunnel" (heute auch als "Hobbit Hole" bezeichnet), einem Tunnel mit nur einer Fahrspur (klasse zu fahren). Hier das gleiche Spiel, wenden und noch mal durchfahren.

Der nächste Ort Whangamomona hat eine eigene Geschichte. Dieser Ort erklärte sich am 28. Oktober 1989 unabhängig, da sie damals aus der Provinz Taranaki wegen neuer Grenzziehung ausgeschlossen wurden. Aller zwei Jahre, das nächste Mal 2007, gibt es dann immer eine große Feier mit Grenzkontrollen, Präsident etc. Im örtlichen Saloon kann man sich einen "Pass" für diese Republik ausstellen lassen. Da aber außer uns kein weiterer Tourist in dem Nest anwesend war, ließen wir diesen "Touristennepp" links liegen und fuhren weiter.

Die Fahrt bis Stratford war dann schnell hinter uns gebracht und wir fuhren zum Campground (Top 10 Holiday Park). Bis hierher hatten wir für die Fahrt ca. 6h gebraucht und jetzt fing es an mit regnen, nein, es schüttete. Ich will gar nicht dran denken, wie der Straßenzustand in der Gorge bei diesem Wetter gewesen wäre.
Auf dem CG mussten wir erstmal ne ganze Zeit warten, da weit und breit kein Mitarbeiter aufzutreiben war. Irgendwann kam dann die Besitzerin vom Einkaufen und wir bezogen unseren Stellplatz.

Da wir noch genug Zeit vor der Abenddämmerung hatten, dachten wir, fahren wir doch noch zum Mt. Taranaki. Vielleicht kommen wir ja über die Wolken, so wie gestern Morgen über den Nebel im Pirongia Forest Park. Doch am Ende der Straße zum Plateau, waren wir mitten im Regen. Es war sinnlos hier zu warten und wir fuhren wieder nach unten. Da der Regen am Fuße des Berges etwas nachließ, liefen wir noch den kurzen Trail zum Sumpf. Die Pflanzen hatten in dieser Regenkulisse ihren besonderen Reiz, denn überall tropfte es bzw. glänzten Tropfen an den Blättern. Normalerweise sollte man vom Lookout am Ende des Trails den Mt. Taranaki sehen, aber wir sahen nur eine graue Wand aus Wolken. Somit setzten wir alle Hoffnungen in den nächsten Tag und fuhren wir wieder zurück zum Campground, wo wir zum ersten Mal auf dieser Reise Wäsche wuschen und uns die Wartezeiten mit mehreren Runden Mau-Mau verkürzten bis es schließlich dunkel wurde. Endergebnis war übrigens ca. 30:3 für Anja.